Best of Europolitan - Smart Cities: Ein Markt lernt den Customer Journey – und das Scheitern

Published on May 27, 2022

Von Damian Wagner-Herold (AW 2009)

Für die meisten von uns braucht es heute nicht mehr den Blick inden Economist oder auf Arte, um die großen Herausforderungen unserer Zeit für die Städte wie die Auswirkungen des Klimawandels, die Umsetzung der Mobilitäts- und Energiewende, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum oder das durch die Covid-Pandemie beschleunigte Sterben unserer vorrangig auf Kommerz getrimmten Innenstädte zu erleben. Die Auswirkungen erleben wir bereits vor unserer Haustür z. B. beim Gang durch die Innenstadt. Mehr als 70 % der Weltbevölkerung werden bis zum Jahr 2030 in Metropolen leben.

In Deutschland sind es aktuell bereits fast 80 %. Viele der wesentlichen Entwicklungen katalysieren sich in unseren Städten und Kommunen. Gleichzeitig sind sie ein Powerhouse für Wandel und Innovation. Viele neue Initiativen oder innovative Lösungen entspringen heute diesem komplexen urbanen Ökosystem, in dem Befindlichkeiten und Interessen oft hart aufeinandertreffen und stets im Spannungsfeld knapper Ressourcen um ein gemeinsames, durch den Stadtrat demokratisch legitimiertes Ergebnis ringen.

Hier setzt die Smart City (bzw. die Smart Region) an mit dem Ziel der nachhaltigen und intelligent vernetzten, insbesondere aber der lebenswerten Stadt, und zwar lebenswert für uns – ihre Bewohner und Bewohnerinnen. Noch immer orientiert sich aber beispielsweise die Nutzung unseres städtischen Raums mit vielspurigen Straßen und großen Parkflächen zu großen Teilen an den Bedürfnissen des Autoverkehrs und weniger an den eigentlichen Nutzern. Das erfordert für Smart Cities vor allem einen Erprobungs- und Lernprozess, dem ein umfassendes Umdenken zugrunde liegt und dessen erfolgreiche Umsetzung sich erst in der übergreifenden Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung und bei neuen Kooperationen z. B. mit Start-ups entfalten wird. Für unsere Städte es geht dabei um nichts weniger als darum, zukunftsfähig zu werden, um im digitalen Zeitalter als Wohn- und zugleich Wirtschaftsstandorte auch weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Erkenntnis, dass dieser Wandel kein Selbstläufer sein wird, und die Tatsache, dass Städte – von der Gewerbesteuer der dort ansässigen Unternehmen abhängige – Wirtschaftsräume sind, hatte die Bundesregierung im ersten Covid-Jahr 2020 dazu veranlasst, die „Smart Cities Made-in Germany“-Projektförderung als Teil des Konjunkturpakets auf beachtliche 820 Millionen Euro anzuheben. Das macht dieses Projekt global zu einer der größten Initiativen, auch wenn es mit rund sechs Jahren Rückstand auf die ersten europäischen Projekte nicht zu einer der ersten Initiativen zählt. Der urbane Markt gewinnt dadurch jedoch beachtlich an Schub. Über 80 Groß- und Kleinstädte sowie Zusammenschlüsse aus Kommunen entwickeln aktuell Smart City-Strategien und -Roadmaps, die sich in Maßnahmen niederschlagen wie etwa der Nutzung von 3D-Stadtmodellen, Apps zum Parkraummanagement oder smarte Touristenleitsysteme. Gleichzeitig geht es darum, Daten zugunsten der Allgemeinheit nutzbar und zugänglich zu machen und Städten ihre Datensouveränität, d. h. den Zugriff auf ihre Daten zu sichern. So schließen einige Städte mittlerweile Daten-Kooperationsverträge mit Mobilitätsanbietern ab, in denen diese zur Bereitstellung ihrer Daten verpflichtet werden, die später z. B. bei der Netzplanung des ÖPNV helfen können.

Sprichwörtlich im Zentrum stehen dabei Open Data Plattformen bzw. sogenannte Datendrehscheiben, die bei der Auswertung, Visualisierung und Bereitstellung der Daten helfen – selbstverständlich datenschutzkonform. Wie so oft wird durch die öffentliche Förderung ein wichtiger Anreiz geschaffen, um die naturgemäß risikoaversen Städte und ihre Ökosysteme zu mehr Innovation und zum Ausprobieren neuer Lösungen und Prozesse zu bewegen.

Dabei sollte man sich stets vor Augen halten, dass das Handeln der öffentlichen Verwaltung i. d. R. von der Sorge getrieben wird, keine Fehler zu machen und ihre chronisch knappen Kapazitäten nicht zu überlasten. Umso beeindruckender und spannender ist der dynamische und schnell wachsende Markt, der sich aktuell formiert. Im Fokus stehen dabei digitale und effizientere Verwaltungsprozesse (Stichwort GovTech) auf der einen sowie neue digitale Lösungen und Geschäftsmodelle für die Stadt von Morgen auf der anderen Seite (Smart Cities).

 

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