Best of Europolitan - Spotlight: Friedemann Wecker (MBA 2014), Geschäftsführender Vorstand bei Demeter im Norden über seine wichtigsten Aspekte zum Thema Nachhaltigkeit

Das Blitz-Interview führte Katja Breitinger (MBA 2005)

Vom Bachelor in der Ökologischen Landwirtschaft in Kassel zum Master of Business and Process Management an die Knowledge Foundation Reutlingen University /ESB Business School nach Reutlingen – wie entstand hier der Zusammenhang?

Nach meinem B.Sc. der Ökologischen Landwirtschaft wollte ich direkt in die Arbeit einsteigen und Berufserfahrung sammeln. Meine Bewerbung beim Bio-Anbauverband Demeter kam gut an und so startete ich direkt als Vorstandsassistent im Bundesverband. Ich merkte schnell, dass es hier auf andere Skills ankam. Der berufsbegleitende Master in Reutlingen war die ideale Ergänzung zu meinem damaligen Tätigkeitsfeld. Der nächste Schritt als Geschäftsführender Vorstand in einem der fünf Landesverbände von Demeter hat sich gegen Ende des Studiums herauskristalisiert.

Was treibt dich in deinem Job heute an?

Sinn oder wie man heute sagen würde „Purpose“. Er ist nicht einfach da, sondern muss geschaffen werden. Diesen Sinn mit meinem Team, den Vorstandskollegen und rund 500 Mitgliedern zusammen zu erarbeiten, das treibt mich an. Dass man dabei höchst innovativ sein kann, haben die letzten Jahre gezeigt.

Ein Beispiel in der Vielzahl unserer Projekte ist die Erhaltung von gefährdeten Tierrassen – dazu gehören z. B. auch über 30 Haustierhühnerrassen. Diese nur im Zoo zu züchten ist wenig sinnvoll, sondern eher „Erhalten durch Aufessen“. So haben wir während eines Jahres einen Elterntierbestand an Maranshühnern aufgebaut, um gesunde Tierbestände etwa für weitere Forschungsprojekte zu schaffen.

Was sind für dich bei Demeter die aktuellen Themen in Bezug auf Nachhaltigkeit?

Die aktuellen Initiativen zum True Cost Accounting (SMI, EY & KPMG), also der Berechnung externalisierter Kosten in der Landwirtschaft, zeigen die tatsächlichen Preise der erzeugten Produkte. Diese Transparenz zu erarbeiten, unterstützen wir verschiedene Projekte. Gerade läuft zum Beispiel eine Gesamtanalyse im ökologischen und biodynamischen Landbau in Niedersachen mit den Schwerpunkten Obstbau, Milcherzeugung, Ackerbau und Gemüsebau.

Die biodynamische Landwirtschaft als Grundlage der Demeter-Wertegemeinschaft wird bald 100 Jahre alt. Sie ist dabei mit ihrem Ansatz des geschlossenen Betriebskreislaufes und der verpflichtenden Tierhaltung hochmodern, was lokale Stoffkreisläufe, die CO2-Bindung durch Humusaufbau oder die Diversität des Betriebes angeht. Das ist aus betriebswirtschaftlichen und auch aus Umweltaspekten schlichtweg sinnvoll.

Trotzdem gilt biodynamische Landwirtschaft heute noch als teuer, aber stimmt das? Mit unseren Projekten wollen wir auch solche Thesen überprüfen, denn wenn man die externalisierten Kosten industrieller Landwirtschaft danebenlegt, ergibt sich ein ganz anderes, zukunftsfähiges Bild

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