Best of Europolitan - Darling der Börsen: Dufthersteller

ESB-Alumnus Felix Frowein (IPBS 1999) ist Senior Vice President, Global Consumer Fragrances bei Firmenich. Nach über 20 Jahren in unterschiedlichen, meist kommerziellen Rollen in Europa, Afrika, Asien und den USA verantwortet er heute den Bereich Parfums für Konsumgüter wie z. B. Waschmittel, Weichspüler, Shampoos, Duschgel, Seife, Cremes mit einem jährlichen Umsatz von ca. 1,6 Mrd CHF. Firmenich, der größte private Parfum- und Aromenhersteller der Welt, wurde 1895 in Genf, Schweiz, gegründet und befindet sich seit 125 Jahren in Familienhand. Die Firma vertreibt ihre Produkte ausschließlich B2B und hat sich auf Forschung, Kreation, Herstellung und Verkauf von Parfums, Aromen und Duftstoffen spezialisiert. 
 

Im Interview mit dem Europolitan spricht Felix über eine Branche im Wandel.

Dies ist ein Auszug aus unserem Vereinsmagazin, den gesamten Artikel findest Du im Europolitan 1/2021 (Login nötig).

Duftevaluierung © Firmenich

Europolitan: Felix, Du arbeitest seit 22 Jahren bei einer Firma, deren Produkte man im normalen Leben wahrscheinlich täglich riecht oder schmeckt, deren Firmenname aber den meisten Menschen unbekannt ist. Was genau macht Firmenich? 

Felix: Das stimmt! Jeder von uns benutzt täglich Produkte, die von uns parfümiert oder aromatisiert werden, ohne dies wirklich wahrzunehmen. Während des Studiums an der ICADE absolvierte ich mein zweites Praktikum bei Firmenich in der Parfum Division in New York – und ich kann mir fast nicht mehr vorstellen, in einer anderen Branche oder in einer anderen Firma zu arbeiten. 
Auf der Welt gibt es weniger ausgebildete Parfumeure als Astronauten, wir schätzen ca. 450 bis 500, und 90 von ihnen arbeiten weltweit bei Firmenich. Wir entwickeln die Düfte, die dann hinterher unter Markenamen wie Ralph Lauren, Calvin Klein, Guerlain oder Dolce & Gabbana auf den Markt kommen, aber eben auch Persil, Lenor, Nivea, Pantene, Pril und so weiter. Ihr müsst Euch vorstellen, dass es für fast jedes Konsumprodukt, das entweder in Parfümerien, im Drogeriemarkt, Supermarkt oder natürlich auch online verkauft wird, einen großen Pitch für das Parfum gab. Mehrere Parfumhersteller haben um die Lieferung des Parfums gekämpft. Bei Aromen in der Lebensmittelbranche ist es genauso, nur gibt es auf der Welt noch weniger Aromatiseure als Parfumeure!

 

Wenn man die Börsennachrichten liest, sind Firmenich und die anderen Dufthersteller auf einem gesunden Wachstumskurs. Was hat sich in den Märkten in den letzten Jahren verändert, dass Ihr solche Wachstumsmöglichkeiten habt? 
In den 1990er Jahren gab es zunächst einen riesigen Wachstumsschub mit der Globalisierung und auch Demokratisierung von Luxusmarken. Um an einer Luxusmarkenwelt teilzunehmen, konnte sich plötzlich eigentlich fast jeder zumindest das Parfum leisten. Der größte Erfolg in dieser Zeit ist auf jeden Fall CK One von Calvin Klein, eines der meistverkauften Parfums aller Zeiten. [...] 
Seitdem kommen verschiedene weitere Faktoren zusammen. Natürlich gibt es auch in unserer Branche eine gewisse Verdrängungs- und Konsolidierungsdynamik. Dann wachsen wir stark mit der rasant wachsenden Mittelschicht in Asien, Indien, Afrika und Lateinamerika, denn mit steigendem Einkommen wird generell auch mehr konsumiert. In Europa, den USA, China und Japan gab es hingegen einen starken Trend zur Premiumisierung, die zum Teil über eine höhere Parfumdosierung im Produkt, verschiedene Technologien für ein besseres Parfumerlebnis, aber zum Teil eben auch durch exklusivere und daher höherpreisige Rohstoffe kommuniziert wird.
Im Allgemeinen investieren Konsumgüterhersteller mehr in Parfum, weil sie dadurch ihre Markenkernbotschaften und auch den Produktnutzen viel stärker kommunizieren können, als das jede andere Produktkomponente tun kann. Parfum berührt und triggert eben Emotionen. Das ist das Geheimnis.

Es werden von den Konsumenten immer mehr natürliche oder biologisch zertifizierte Produkte nachgefragt. Beeinflusst das auch Eure Produktentwicklung, z. B. bei Kosmetik? 
Auf jeden Fall! Und das ist wirklich eine interessante Geschichte. Vor 150 Jahren gab es ja ausschließlich natürliche Parfums. Die damaligen Parfumeure mischten Blumen- mit Zitrusessenzen, Lavendel mit natürlichem Amber und so weiter. Das war so teuer, dass sich nur wenige Menschen Parfums leisten konnten. Mit der Erfindung der chemischen Synthese wurden Parfums dann auch für die Allgemeinheit erschwinglich. [...] Und jetzt schließt sich der Kreis, die Konsumenten verlangen wieder mehr und mehr natürliche Produkte. [...]
Aber auch wir haben früh in Naturstoffe investiert und verfügen heute über das weltweit größte Angebot an natürlichen Riechstoffen – teils durch eigene Farmen, teils durch Joint Ventures mit Landwirten und Kooperationen, und teils durch ein weltweites Netzwerk an Herstellern. Rein natürliche Düfte sind gestalterisch allerding recht limitiert. Zudem bringen synthetische Riechstoffe Performance, Stabilität und Haftung. Einem rein synthetischen Duft fehlt aber meist die Seele. Diese Seele kann eben wiederum nur die Natur bringen. 

Verrätst Du uns auch noch Dein persönliches Lieblingsparfum?
Ganz klar Duel von Annick Goutal. Ich trage es jeden Tag. Zu meiner großen Schande kein Parfum, das von Firmenich kreiert wurde. Aber ich bekam es von meinem Freund zum 30. Geburtstag geschenkt ... nur drei Monate nach unserem Kennenlernen. Ich fand es damals einen verdammt gewagten Schritt, mir, der bei Firmenich arbeitet, direkt ein Parfum zu schenken! Aber dieser Duft ist und bleibt einfach sensationell, und so bin ich 17 Jahre später noch mit beiden zusammen, mit meinem Freund und mit Duel.

 

Vielen Dank für Deine spannenden Einblicke, Felix!

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