ESB-Alumnus Heiko Goller (AW 2010) arbeitete bei Züblin und STRABAG, großen, internationalen Bauunternehmen. 2020 hat er ein eigenes Unternehmen gegründet – als Generalunternehmer im Baubereich. Da konkurriert man leicht mit großen Unternehmen, die einfacher an Liquidität kommen und oft auch Preise drücken können. Wir haben mit Heiko über seine Gründung und seine tägliche Arbeit gesprochen. 

Dies ist ein Auszug aus unserem Vereinsmagazin, den gesamten Artikel findest Du im Europolitan 4/2020 (Login nötig).

ESB Alumnus Heiko Goller

Europolitan: Heiko, was hat euch bewegt, HESA zu gründen??

Heiko: Meinen jetzigen Geschäftspartner Salaymon Kolaly habe ich bereits 2012 kennengelernt, als wir beide für STRABAG in Algerien am Bau der U-Bahn gearbeitet haben, er als Ingenieur und ich als Projektkaufmann. Nach dieser Zeit hat er sich als Bauingenieur in Hamburg selbstständig gemacht, während ich bis Anfang 2020 noch auf weiteren Auslandsprojekten gearbeitet habe. Er hatte bereits seit längerem den Traum, ein eigenes Bauunternehmen zu gründen und suchte dafür noch einen Partner mit kaufmännischem Background.

Nach acht Jahren im Ausland war eine Rückkehr nach Deutschland auch wieder sehr interessant für mich, und verbunden mit dem Reiz, ein eigenes Unternehmen zu gründen, musste ich dann auch nicht allzu lange überlegen, als Salaymon mich fragte, ob ich Interesse hätte, das mit ihm zu versuchen. Da wir in der Branche blieben, in der wir bereits jahrelang gearbeitet haben, war auch die Angst vor dem ersten Schritt überschaubar.

Als Generalunternehmer habt ihr keine Assets außer eurem Können und eurer Erfahrung. Gleichzeitig müsst ihr immer dafür sorgen, dass es genügend Liquidität gibt und Termine eingehalten werden. Was sind da für euch die wichtigsten Instrumente und Methoden?

Am wichtigsten sind eine gute Planung und Koordination mit den Nachunternehmern. Gerade als junges Unternehmen sind unsere Rücklagen noch nicht darauf ausgelegt, größere Zahlungsausfälle oder Vertragsstrafen durch Zeitverzug abfangen zu können.

Regelmäßige Kontrolle der Nachunternehmer vor Ort und persönlicher Kontakt mit allen Beteiligten sind unerlässlich für uns, um mögliche Probleme frühzeitig erkennen und rechtzeitig gegensteuern zu können.

Was ist anders als bei einem Großkonzern wie z. B. der STRABAG?

Bei STRABAG gab es für jeden Bereich Experten – sei es Buchhaltung, Controlling, Recht, IT, Statik, Planung usw. Bei HESA müssen wir uns jetzt um alles allein kümmern oder uns die entsprechende Expertise von außen einkaufen. Dadurch bekommt man einen besseren und tieferen Gesamteinblick, da man nicht wie in einem Großkonzern auf nur einen Teilbereich fixiert ist.

Auch sind unsere Ressourcen natürlich viel beschränkter. Zum Beispiel im Bereich Fachsoftware geht es schnell um Beträge von mehreren tausend Euro – da müssen wir erst abwägen, ob sich die Anschaffung wirklich lohnt, auch wenn es uns die Arbeit vereinfachen würde.

Der Vorteil für den Kunden ist, dass wir persönlich in jede Phase des Baus eingebunden sind und er somit immer einen Ansprechpartner hat, der auf dem aktuellen Stand ist und den Gesamtüberblick hat. Da wir auch nur wenige Kunden pro Jahr haben, ist unsere Betreuung viel persönlicher und intensiver als bei einem Großkonzern.

Welche Ziele habt ihr bis 2025?

Unser Ziel ist es, mit HESA bis dahin jedes Jahr mindestens vier bis fünf  Häuser zu bauen, wobei ich mir wünschen würde, dass davon wenigstens eines als Smarthome auf dem aktuellen Stand der Technik gebaut wird, wovor viele Kunden heute leider noch zurückschrecken, da sie die Möglichkeiten nicht kennen oder die Kosten scheuen. Langfristig wollen wir auch eigene Handwerker einzustellen, um unabhängiger von Subunternehmern zu werden und Kosten optimieren zu können.

Hast du als Experte vielleicht auch ein paar Tipps für jene ESBler, die sich Gedanken über das Häusle-Bauen machen?

Bauen ist teuer und man muss bei jedem Bau ein paar Kompromisse eingehen, um die Kosten im Rahmen zu halten. Im Idealfall lebt man aber sein Leben lang in dem Haus und im Nachhinein sagen viele, dass sie rückblickend vielleicht doch lieber etwas mehr hätten investieren sollen, da sie sich jetzt ständig darüber ärgern, in einem speziellen Bereich Abstriche gemacht zu haben.

Ansonsten sollte man auf jeden Fall so bauen, dass ein späteres Upgrade relativ einfach umzusetzen ist. Noch ein Tipp: auch Toiletten werden moderner (siehe Asien), deshalb ist ein Stromanschluss neben der Toilette eine gute Investition in die Zukunft.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

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