Best of Europolitan - Weshalb Führungskräfte für die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden verantwortlich sind

Published on March 6, 2024

ESB-Alumna Laura Henrich (IPBS/IMX 2005) beschäftigt sich in ihren Ausführungen mit der Verantwortung von Führungskräften für die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden. 

[...] Wenn wir mental gesund sind, können wir mit den Herausforderungen des Lebens kreativ und produktiv umgehen und sind in der Lage, positive Beziehungen zu unseren Mitmenschen zu pflegen. Wir hören nicht auf, uns selbst kennenzulernen und entwickeln kontinuierlich ein besseres Gefühl für unsere Bedürfnisse. Nur wenn wir wissen, was wir brauchen, können wir gut für uns sorgen und in diesem Sinne die richtigen Entscheidungen treffen. Mentale Gesundheit ist also eine rein persönliche Angelegenheit, oder? [...] Für mich ist mentale Gesundheit genauso eine gesellschaftliche Aufgabe, und weil wir einen Großteil unseres Lebens bei der Arbeit verbringen, fällt auch Unternehmen eine besondere Verantwortung zu, diese zu fördern. Nur mental gesunde Mitarbeitende sind leistungsfähig, können mit Stress umgehen und kreative Lösungen finden. Leidet jemand unter psychischen Beschwerden, reduzieren sich diese Fähigkeiten um ein Vielfaches: Es passieren Fehler, die Stimmung im Team verschlechtert sich und betroffene Mitarbeitende fallen irgendwann aus. Genau das passiert aktuell in sehr vielen Unternehmen.

Woran können Führungskräfte erkennen, dass es ihren Mitarbeitenden nicht gut geht? [...] Es gibt  einige Anzeichen, an denen Führungskräfte erkennen können, dass jemand unter psychischen Beschwerden leidet und mehr Unterstützung braucht: Nervosität, Reizbarkeit, Kritikunfähigkeit, Aggressivität, Müdigkeit, Rückzug und/oder Negativität. 

Alumna Laura HenrichAls Expertin im Digital-Health-Bereich spreche ich mit vielen Führungskräften. Was mir dabei auffällt: Es fehlt oft bereits die Einsicht, dass Mitarbeitende im eigenen Unternehmen betroffen sein könnten. Psychische Beschwerden, so scheint es, gibt es höchstens bei der Konkurrenz. Die Aussage einer HR-Verantwortlichen [...] ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben: „In den letzten 20 Jahren, in denen ich hier angestellt bin, habe ich niemanden kennengelernt, der unter psychischen Beschwerden leidet.“ Sie ist mit ihrer Einstellung leider nicht die Ausnahme und das zeigt, wie viel Aufklärungsarbeit noch vor uns liegt. Deshalb freue ich mich besonders, wenn bekannte Unternehmer:innen sich trauen, offen über ihre psychischen Beschwerden zu sprechen. Dadurch werden Symptome greifbarer, Menschen für das Thema sensibilisiert und Betroffene ermutigt, sich einzugestehen, dass sie Hilfe von außen brauchen.

Was können Führungskräfte tun, um ihre Mitarbeitenden zu unterstützen? Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers endet bei den Persönlichkeitsrechten des Mitarbeitenden. Es geht also darum, Unterstützung zu signalisieren, ohne sich dabei zu sehr einzumischen. Das kann beispielsweise so aussehen:
•    Offen die Verhaltensänderung des Mitarbeitenden ansprechen und nach Gründen fragen:  „Ich habe in den letzten Wochen beobachtet, dass du dich zurückgezogen hast und oft traurig wirkst. Kannst du mir aus deiner Sicht schildern, wie es dir geht?“
•    Konkrete Angebote zur Reduzierung der Arbeitslast machen: „Was würde dich gerade in dieser Situation am meisten entlasten? Sind es eher bestimmte Aufgaben, die dich so unter Druck setzen, oder ist es die Arbeitslast insgesamt? Ich erfrage das, damit wir gemeinsam überlegen können, wie wir ab sofort den Druck rausnehmen können.“
•    Das richtige Setting finden: Einen ruhigen Rahmen für das Gespräch finden und das Thema nicht mit weiteren Punkten vermischen.
•    Authentisch bleiben: Den üblichen Tonfall beibehalten und emotionale Anteilnahme zeigen. Falls eigene Berührungspunkte mit dem Thema vorhanden sind, ist es ein guter Punkt, sich zu öffnen und über die eigenen Erfahrungen zu sprechen.
•    Ohne Erwartungen in das Gespräch gehen: Keine Hilfe aufzwingen. Es kann gut sein, dass die von psychischen Beschwerden betroffene Person selbst noch Zeit braucht, die eigene Situation richtig einzuschätzen oder keine Hilfe annehmen will. Dann ruhig bleiben und auf ein mögliches Folgegespräch verweisen.

Den vollständigen Artikel kannst Du in unserem aktuellen Europolitan nachlesen. Die digitale Ausgabe kannst Du Dir hier herunterladen (Login notwendig).